Die ist ein Gedicht, das wir im Deutschunterricht zu Dalis Bild 'Zerrinende Zeit' schreiben sollten:

Zeit

Unaufhaltsam sie läuft,
nicht zu halten mit den Händen,
nicht einzufangen in Käfigen,
Zeit...

Sekunde um Sekunde verstreicht,
Nichts, dass sie zum Verweilen überreden kann,
ewig gehetzt hastet sie durch die Welt,
Zeit...

Bange Minuten,
ihre Sekunden scheinen wie Stunden,
scheinen wie Tage zu verweilen,
Zeit...

Schöne Stunden,
ihre Minuten verstreichen schnell und fließend,
scheinen wie Sekunden,
Zeit...

Sekunden, Minuten, Stunden,
manchmal scheinen sie nur kurz zu verweilen,
manchmal ewig,
Zeit...

Nur eines ist gewiss,
ewig wird sie unaufhaltsam laufen,
denn es ist sie,
die Zeit.


Das nächste ist ein Text zu Paul Cezannes Bild 'Die Frau mit der Kaffekanne' :


„Ach, war das damals schön mit ihm....Er war immer so zuvorkommend und nett...Wie heute immernoch...Seine Frau muss sehr glücklich sein, ihn zu haben. Er ist sicher ein sehr guter Ehemann, liebevoll, umsorgend, zuverlässig...Alles das, was man von meinem Mann ja nicht behaupten kann. Warum mussten wir damals nur wegziehen? Es hätte alles so schön sein können mit ihm...Schon damals wusste ich, dass er der Mann meines Lebens war, nie wollte ich ihn gehen lassen, aufhören ihn zu lieben...Nein, vergessen habe ich ihn nie. Ihm galt der erste Gedanken am Morgen, wenn ich aufstand und der letzte, bevor ich abends einschlief...Wie oft hab ich mir vorgestellt, wie es wohl wäre ihn wieder zusehen, wieder seine Nähe zu spüren...Und jetzt stand er einfach vor der Tür... „Guten Tag Hanne, weißt du noch, wer ich bin?“ fragte er mich in seinem gewohnt freundlichen Tonfall und sah mich aus seinen strahlend blauen Augen an. Natürlich wusste ich sofort, wer er war und doch konnte ich im ersten Augenblick nichts antworten...Mir fielen all die schönen und fröhlichen Stunden und Tage ein, die ich mit ihm verlebt hatte...Und auch die schweren Stunden, durch die er mir und ich ihm geholfen hatte...Wir waren immer für einander da, jeder die rettende Insel des anderen, wenn der Kummer uns zu verschlingen drohte...Ich bat ihn herein und sofort erfüllte sein Duft erst den Flur, dann das Wohnzimmer und nun das ganze Haus...Ach, wie habe ich seinen Geruch vermisst, so warm und angenehm... Seine Augen strahlen immernoch wie damals, eisblau und wunderschön, seine Hände sind immernoch so schön wie damals, feingliedrig und gepflegt...Anwalt ist er geworden, wie er es sich schon immer erträumt hatte...Ja, er hat seine Träume verwirklicht, lebt das Leben, das er immer leben wollte...Aber ohne mich...Das ist wohl der Lauf der Zeit und der Weg des Schicksals...Einige Leben ihre Träume, anderen bleibt es verwehrt...Wir schienen so perfekt zusammen zu passen...Wir verstanden uns ohne Worte...Es bedurfte nur eines Blickes oder einer Berührung und wir wussten, wie es dem anderen ging, was er dachte und doch waren wir wohl zu unterschiedlich, als dass uns eine gemeinsame Zukunft beschert sein sollte...Manchmal frage ich mich, ob es vorherbestimmt war, dass uns unsere Wege so früh getrennt haben...“



Gratis bloggen bei
myblog.de